WURZEN WEBT WEITER

Industriestadt Wurzen über 150 Jahre hinweg. Ihre Teppiche gehen in alle Welt. Auf internationalen Weltausstellungen macht sich das Unternehmen einen Namen und gewinnt hohes Ansehen. 1996 endet die Produktion – wie bei vielen Betrieben der ehemaligen DDR. Doch die Geschichte verschwindet nicht. Sie lebt weiter in Erinnerungen – und in Teppichen.

Mit der Ausstellung „WURZEN WEBT WEITER“ wird diese Geschichte neu sichtbar. Das Kulturhistorische Museum Wurzen beteiligt sich am 12. Festival Politik im Freien Theater, das unter dem Motto „Grenzen“ steht. In Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung sowie mit Schauspiel Leipzig, LOFFT – das Theater, Schaubühne Lindenfels, Theater der Jungen Welt und dem Figurentheaterzentrum Westflügel Leipzig entsteht eine Ausstellung, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Vom 16. bis 25. Oktober 2025 zeigt das Museum am Wurzener Marktplatz (Markt 9) eine vielfältige Auswahl an Teppichen und Fotografien der Wurzener Teppichfabrik. Die meisten dieser Stücke sind erstmals öffentlich zu sehen.

DIE GESCHICHTE DER WURZENER TEPPICHFABRIK ‒
in bildern

Ob Wandbehang oder Läufer: Die Objekte bewegen sich zwischen Alltagsgegenstand, Kunsthandwerk und der traditionsreichen Wurzener Industriekultur. Sie erzählen von der historischen Verbindung zwischen Design und der zeitgeschichtlichen häuslichen Einrichtung. Sie eröffnen Perspektiven auf die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Räumen. Fotografien aus dem reichen Fundus des Museums wie diejenigen von Gerhard Weber und Cordia Schlegelmilch geben Einblicke in die hochspezialisierte Arbeit der Fabrik. Sie erzählen vom Arbeitsalltag, technische Entwicklungen und die sozialen Bedingungen ihrer Zeit und machen den Wandel von Produktion und Gesellschaft sichtbar.

DIE GESCHICHTE DER WURZENER TEPPICHFABRIK ‒
in Fakten

Die langjährige Geschichte der Wurzener Teppichfabrik ist eng mit der Stadtentwicklung Wurzens verbunden.

Bildteppiche der DDR ‒ Zwischen Kunst und Politik

Teppiche gehören zu den ältesten kulturellen Artefakten der Menschheit, deren Ursprünge sich bis in die Antike zurückverfolgen lassen. Als repräsentative Kunstwerke dienen sie seit Anbeginn in geistlichen Institutionen, an Adelshöfen, in kommunalen Einrichtungen aber auch im Privaten als Statussymbole von Macht und Reichtum.

Die DDR-Kunst im öffentlichen Raum ist staatlich reguliert und ideologisch geprägt: Mit dem Ziel, die sozialistischen Werte und das kollektive Bewusstsein zu fördern. Die zentrale Planung und Auftragsvergabe werden durch Organisationen wie den Verband Bildender Künstler gesteuert, künstlerische Werke werden oft in einem realistischen Stil umgesetzt. Vor allem seit den 1950er Jahren werden Bildteppiche bei Veranstaltungen wie Parteitagen, FDGB-Kongressen, zentralen Veranstaltungen der FDJ oder Sportfesten propagandistisch eingesetzt.

Die Geschichte des Bildteppichs in der DDR mit Motiven aus dem politischen Leben, Sportereignissen und dem Arbeitsalltag ist aber kaum bekannt. Denn mit dem Ende der DDR 1989/90 fallen die Auftraggeber weg. Nach der deutschen Wiedervereinigung werden die Teppiche ebenso wie (Wand-)Malereien, Mosaike, Brunnen oder Skulpturen zu Relikten einer untergegangenen Kultur, eines überholten staatlichen Kunstbetriebes. Die meisten werden aus der Öffentlichkeit, den Versammlungsräumen, Funktionärsbüros und Traditionskabinetten entfernt. Nur ein kleiner Teil davon lagert heute in Museumsdepots und erlaubt nach Abflauen des „Bilderstreits“, der nach der Friedlichen Revolution in teils heftigen Debatten entbrannte, eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Objekten und ihren Bildbotschaften.

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